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Es war einmal eine höchst lebendige Frau

„Ich dachte, ich würde lieber dreißig wilde Jahre wählen statt siebzig brave und geruhsame.“

Kindheit

21. Juli 1933: Geburt von Elisabeth Gertrud Brigitte Reimann als erstes Kind der Eheleute Elisabeth und Wilhelm (Willi)
1934 wird ihr Bruder Ludwig geboren, 1941 Ullrich.
1943 wird ihre Schwester Dorothea geboren und der Vater zum Kriegsdienst einberufen
1939 war Brigitte Reimann eingeschult worden.
Am 1.9.1939 beginnt der 2.Weltkrieg.
Am 7.9.1939 steht die erste Gefallenenanzeige im Burger Tageblatt.
Am 17.7.1940 gibt es den ersten Fliegeralarm in der Stadt Burg.
Burger Knäckebrot wird zunehmend für die Frontverpflegung hergestellt.
Die „Diesterwegschule“ wird im Februar 1942 geräumt und zu einem Kriegslazarett umgebaut. In den städtischen Grünanlagen werden weiß gestrichene Ruhebänke für die Verwundeten aus dem Lazarett aufgestellt. Am 10.9.1944 fallen Brandbomben der britischen Luftwaffe auf Burg.
Im Mai 1945 bei Kriegsende ist Brigitte Reimann noch nicht 12 Jahre alt.

Brigitte Reimann mit Schultüte, Ostern 1939

 

Jugend

1947 kehrt Brigittes Vater von der Kriegsgefangenschaft zurück. Ende des Jahres erkrankt Brigitte an Kinderlähmung. Sie beschließt, Schriftstellerin zu werden.
1950 gewinnt sie den 1. Preis beim Ideenwettbewerb für Laienspiele an der Volksbühne der DDR

1951 wird Brigitte Reimann mitten im Abitur von ihrem damaligen Freund schwanger. Die Trennung folgt und die Schwangerschaft wird mit Rotwein und heißen Bädern beendet, was bei Brigitte Reimann zu körperlichen Schmerzen und Depressionen führt. Sie macht ihr Abitur und besteht die Aufnahmeprüfung zur Theaterschule Weimar, beginnt dann aber doch ihre Tätigkeit als Lehrerin an der Pestalozzi-Schule Burg. Sie ist ruhelos und verzweifelt, einzig im Schreiben findet sie Erfüllung. Erste Laienspiele werden in Berlin gedruckt.

Brigitte Reimann als Lehrerin

„Ein alter Lehrer sagte mir einmal, der herrlichste Beruf sei der des Lehrers […] aber der Mann hat die Dichter vergessen, […]Schöpfer ist größer als Bearbeiter.“
Brief an Veralore, 11.11.1951

Erste Werke, erste Ehe

1953 Brigitte Reimann heiratet Günter Domnik und schreibt „Die Denunziantin“. Der Titel wird allerdings nicht veröffentlicht.

Der Schriftsteller O.B. Wendler wohnte in Burg und unterstützte die junge Schriftstellerin: Brigitte Reimann nimmt an Wettbewerben teil, sie fährt nach Magdeburg zur Arbeitsgemeinschaft Junger Autoren. Sie wird als einzige Frau zum Mittelpunkt dieses Kreises. Dort lernt sie einige Freunde fürs Leben kennen. Sie hat schon Kontakte zum Mitteldeutschen Verlag geknüpft.

1954 Vor dem Hintergrund einer Fehlgeburt, der unglücklichen, zerstörten und zerstörenden Ehe kommt es im Frühjahr zu einem Selbstmordversuch. Die Ehe wird erst 1958 geschieden.

1956 erscheint „Die Frau am Pranger“, ebenso wie „Die Kinder von Hellas“. Brigitte Reimann wird Mitglied des Deutschen Schriftstellerverbandes.

1957 tritt das MfS an Brigitte Reimann heran, um sie als „Geheime Informatorin aus Kreisen der freischaffenden Schriftsteller“ anzuwerben. Sie geht auf das Angebot ein und gibt sich den Decknamen „Cathérine“.
Allerdings zeigt sie sich von Anfang an unkooperativ, äußert Bedenken und teilt keine Informationen. Als ihr Ehemann Günter verhaftet wird, verfasst sie dann doch zwei Personenberichte.
Wenig später vertraut sie sich ihrem Freund, dem Schriftsteller Wolfgang Scheyer an.
Im Mai 1958 offenbart sie sich in einem Brief an den Schriftstellerverband.

Die Dekonspiration hatte Folgen: nach dem Umzug 1960 nach Hoyerswerda blieb Brigitte Reimann unter Beobachtung: Es wurde eine operative Handakte mit dem Codewort „Denker“ von den Kreisdienststellen Hoyerswerda und Neubrandenburg geführt. Noch 1970 heißt es in der Akte (BSTU 000028): es gelte festzustellen, „ob durch die Schriftstellerin eine bewußte negative Haltung zur Politik von Partei und Regierung eingenommen wird“.

1958 lernt Brigitte Reimann Siegfried (Daniel) Pitschmann kennen und lieben, den sie 1959 heiratet. Sie wohnen bis zu ihrem Umzug nach Hoyerswerda in Reimanns Elternhaus in ihrem ehemaligen Kinderzimmer.